Geschwindigkeitsweltrekord im Skifahren: Der aktuelle Rekord & seine Geschichte

Skifahrer bei hoher Geschwindigkeit auf einer Piste

Zuletzt aktualisiert am 26.08.2026

Kein anderer Wintersport erreicht auf eigener Muskelkraft annähernd so hohe Geschwindigkeiten wie Speed Skiing. Athletinnen und Athleten lassen sich auf präparierten Steilhängen bis auf über 250 km/h beschleunigen – schneller als ein ICE auf freier Strecke und schneller als die Höchstgeschwindigkeit vieler Formel-1-Boliden in engen Kurvenabschnitten. Dieser Artikel zeigt, wer aktuell den Geschwindigkeitsweltrekord im Skifahren hält, wie sich der Rekord über die Jahrzehnte entwickelt hat, wie er offiziell gemessen wird und wo die entscheidenden Läufe stattfinden.

TL;DR: Der aktuelle Geschwindigkeitsweltrekord im Skifahren liegt bei 255,500 km/h, aufgestellt vom Franzosen Simon Billy am 22. März 2023 auf der Strecke „KL“ in Vars. Bei den Frauen hält die Italienerin Valentina Greggio mit 248,27 km/h (3. April 2026, ebenfalls Vars) den Rekord. Beide Bestwerte wurden in der Disziplin Speed Skiing erzielt, die von der FIS reguliert wird.

Der aktuelle Geschwindigkeitsweltrekord im Skifahren

Den offiziellen Weltrekord im Speed Skiing (Kategorie S1, die schnellste Wettkampfklasse) hält seit dem 22. März 2023 der Franzose Simon Billy. Er erreichte auf der legendären Strecke „KL“ in Vars (Frankreich) eine Geschwindigkeit von 255,500 km/h und verbesserte damit den bis dahin sieben Jahre alten Rekord von Ivan Origone um rund 0,5 km/h. Auf den ersten Blick wirkt diese Differenz gering – bei Geschwindigkeiten jenseits der 250-km/h-Marke gilt jedoch bereits ein Zugewinn von wenigen Zehntel-Kilometern pro Stunde als spürbarer Fortschritt, weil der Luftwiderstand mit zunehmendem Tempo überproportional wächst.

Vars in den französischen Alpen gilt als das Zentrum des Speed Skiing: Die dortige Strecke bietet ein außergewöhnlich konstantes Gefälle, kalkulierbare Schneeverhältnisse und eine lange Auslaufzone – drei Faktoren, die für einen Rekordversuch entscheidend sind. Nahezu alle Bestzeiten der letzten zwei Jahrzehnte, sowohl bei Männern als auch bei Frauen, wurden dort erzielt.

Wie wird der Rekord gemessen und offiziell anerkannt?

Speed-Skiing-Strecken sind rund einen Kilometer lang und in drei Abschnitte unterteilt: eine Anlaufzone von 300 bis 400 Metern zur Beschleunigung, eine exakt 100 Meter lange Messzone, in der die Geschwindigkeit per Lichtschranke erfasst wird, und eine rund 500 Meter lange Auslaufzone zum Abbremsen. Nur die in der Messzone erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit zählt als offizielle Zeit – nicht die theoretische Spitzengeschwindigkeit an einem einzelnen Punkt der Strecke.

Damit ein Lauf als Weltrekord anerkannt wird, muss er im Rahmen einer von der Speed-Ski-Kommission der FIS (Fédération Internationale de Ski) sanktionierten Veranstaltung gemessen und die verwendete Zeitmessanlage entsprechend zertifiziert sein. Ausrüstung und Regelwerk – etwa die vorgeschriebene Skilänge von bis zu 240 cm – sind im Grundlagenartikel zu Speed Skiing im Detail erklärt.

Warum entstehen die meisten Rekorde ausgerechnet in Vars?

Die Streckenwahl ist im Speed Skiing kein Zufall. Vars liegt auf großer Höhe, was zu dünnerer Luft und damit geringerem Luftwiderstand führt – ein Effekt, den Trainer und Streckenbauer bei der Wahl von Rekordveranstaltungen regelmäßig als einen von mehreren begünstigenden Faktoren nennen, neben dem gleichmäßigen Gefälle und der langjährigen Erfahrung der Streckencrew mit der Präparation für Höchstgeschwindigkeiten. Hinzu kommt die lange Tradition: Seit Jahrzehnten finden in Vars die „Speed Masters“ statt, bei denen sich die Weltspitze gezielt für Rekordversuche trifft – anders als bei regulären FIS-Rennen, bei denen die Streckenauslegung häufig auf rund 200 km/h begrenzt bleibt.

Die Geschichte des Rekords: von den Anfängen bis heute

Die Rekordjagd im Speed Skiing ist eng mit einer Handvoll Namen verknüpft, die sich über Jahre gegenseitig überboten haben. Ermöglicht wurde der stetige Fortschritt vor allem durch die Weiterentwicklung von Material: luftdichtere Anzüge, aerodynamischere Helme und optimierte Skigeometrien reduzierten den Luftwiderstand Schritt für Schritt, während sich gleichzeitig das Wissen um die ideale Fahrposition verfeinerte. Die wichtigsten Stationen der jüngeren Rekordgeschichte im Überblick:

  • 2002: Philippe Goitschel (Frankreich) markiert mit 250,700 km/h einen der ersten Rekorde über der 250-km/h-Marke, kurz gefolgt von Landsmann Laurent Sistach mit 249,653 km/h.
  • 2006: Philippe May (Schweiz) verbessert die Bestmarke auf 250,000 km/h; im selben Jahr fährt der Finne Jukka Viitasaari 248,791 km/h.
  • 2016: Ivan Origone (Italien) stellt in Vars mit 254,958 km/h einen neuen Weltrekord auf und übertrifft damit auch die Bestzeit seines Bruders Simone aus dem Vorjahr; im selben Rennen fährt Bastien Montès (Frankreich) 251,397 km/h.
  • 2023: Gleich mehrere Fahrer knacken in Vars die 250-km/h-Marke – darunter Simone Origone (254,05 km/h) und Manuel Kramer (252,84 km/h). Den entscheidenden Ausreißer setzt jedoch Simon Billy mit 255,500 km/h und übernimmt damit den Weltrekord.

Bemerkenswert: Zwischen dem ersten hier dokumentierten Rekord über 250 km/h (2002) und dem aktuellen Rekord (2023) liegen gerade einmal knapp fünf km/h Differenz – ein Hinweis darauf, wie nah Speed Skiing physikalisch bereits an seine praktischen Grenzen aus Material, Sicherheit und Streckenbeschaffenheit stößt. Die vollständige ewige Bestenliste mit allen Top-10-Platzierungen finden Sie in unserer Rangliste der schnellsten Skifahrer der Geschichte.

Der Frauen-Weltrekord im Speed Skiing

Auch bei den Frauen hat sich in den letzten Jahren viel bewegt. Über lange Zeit galt die Schwedin Sanna Tidstrand mit 242,588 km/h (Les Arcs, 2006) als Maßstab. Erst 2023 wurde diese Marke von ihrer Landsfrau Britta Backlund mit 244,93 km/h verbessert. Den aktuellen Weltrekord hält seit dem 3. April 2026 die Italienerin Valentina Greggio mit 248,27 km/h, ebenfalls aufgestellt in Vars – damit liegt sie inzwischen sogar vor mehreren männlichen Fahrern in der gemeinsamen ewigen Bestenliste. Der Abstand zwischen dem schnellsten Mann und der schnellsten Frau ist damit auf rund 7 km/h geschrumpft – zu Tidstrands Zeiten lag er noch bei über 12 km/h.

Speed Skiing im Geschwindigkeitsvergleich

Zum Einordnen hilft ein Blick auf andere Skidisziplinen. Im alpinen Skiweltcup erreichen Athletinnen und Athleten je nach Disziplin sehr unterschiedliche Spitzengeschwindigkeiten: Im Slalom sind es üblicherweise 40 bis 60 km/h, im Riesenslalom etwa 70 bis 90 km/h, im Super-G rund 110 bis 130 km/h und in der Abfahrt – der schnellsten alpinen Disziplin – je nach Streckenprofil bis zu 150 km/h und in Ausnahmefällen darüber. Speed Skiing übertrifft selbst diese Werte um weit mehr als 100 km/h. Möglich wird das durch den fundamentalen Unterschied im Streckendesign: Anders als im technischen Rennsport gibt es keine Tore, keine Richtungswechsel und keine Sprünge – die gesamte Streckenführung ist einzig auf maximale Endgeschwindigkeit optimiert.

Sicherheitsrisiken bei Geschwindigkeiten über 250 km/h

Die enorme Geschwindigkeit macht Speed Skiing zu einer der risikoreichsten Wintersportarten überhaupt. Schon kleinste Unebenheiten in der Piste oder ein unerwarteter Windstoß können bei diesem Tempo gefährlich werden, weshalb Strecken wie die in Vars vor jedem Rekordversuch aufwendig kontrolliert und präpariert werden. Historisch überschattet wurde die Disziplin durch den tödlichen Unfall des Schweizer Fahrers Nicolas Bochatay bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville, wo Speed Skiing als Demonstrationswettbewerb im Programm stand und danach nicht mehr olympisch vertreten war.

Wird der Rekord bald fallen?

Da Material und Streckenpräparation bereits stark ausgereizt sind, gehen viele Beobachter der Szene davon aus, dass künftige Rekordsteigerungen – wenn überhaupt – nur noch in kleinen Schritten von wenigen Zehntel-Kilometern pro Stunde erfolgen werden, ähnlich wie beim Sprung von Ivan Origone (2016) zu Simon Billy (2023). Jede neue Saison in Vars gilt in der Szene dennoch als potenzieller Rekordtermin, sobald Schnee- und Wetterbedingungen optimal zusammentreffen.

Wer sind die schnellsten Skifahrer der Welt?

Der aktuelle Rekord ist nur die Spitze einer langen Bestenliste. Einen vollständigen Vergleich der zehn schnellsten Läuferinnen und Läufer aller Zeiten – inklusive Nation, Jahr und Strecke – finden Sie in unserer Top-10-Rangliste der schnellsten Skifahrer der Geschichte. Wie Strecke, Regelwerk und Ausrüstung von Speed Skiing im Detail funktionieren, erklärt der Grundlagenartikel Speed Skiing erklärt.

PlatzNameNationGeschwindigkeitJahrOrt
1Simon BillyFrankreich255,500 km/h2023Vars
2Ivan OrigoneItalien254,958 km/h2016Vars
3Simone OrigoneItalien254,05 km/h2023Vars
4Manuel KramerÖsterreich252,84 km/h2023Vars
5Bastien MontèsFrankreich251,397 km/h2016Vars
6Jonathan MoretSchweiz250,80 km/h2023Vars

Häufig gestellte Fragen

Wer hält aktuell den Geschwindigkeitsweltrekord im Skifahren?

Der Franzose Simon Billy hält mit 255,500 km/h, aufgestellt am 22. März 2023 in Vars (Frankreich), den aktuellen Geschwindigkeitsweltrekord im Skifahren (Speed Skiing, Klasse S1).

Wie schnell war der vorherige Rekordhalter Ivan Origone?

Ivan Origone erreichte 2016 in Vars 254,958 km/h. Dieser Rekord hielt sieben Jahre, bis er 2023 von Simon Billy übertroffen wurde.

Wer hält den Geschwindigkeitsweltrekord im Skifahren bei den Frauen?

Die Italienerin Valentina Greggio hält seit dem 3. April 2026 mit 248,27 km/h, aufgestellt in Vars, den Frauen-Weltrekord im Speed Skiing.

Wo werden die meisten Geschwindigkeitsweltrekorde im Skifahren aufgestellt?

Die überwiegende Mehrheit der Rekorde entsteht auf der Strecke „KL“ in Vars, Frankreich. Die Piste bietet ein gleichmäßiges Gefälle, verlässliche Schneeverhältnisse und eine ausreichend lange Auslaufzone.

War Speed Skiing jemals eine olympische Disziplin?

Speed Skiing war 1992 in Albertville ein Demonstrationswettbewerb bei den Olympischen Winterspielen. Der Wettkampf wurde durch den tödlichen Unfall des Schweizers Nicolas Bochatay überschattet; seitdem ist die Disziplin nicht mehr olympisch vertreten.

Redaktion RolandClara
Die Redaktion von RolandClara recherchiert Fakten, Rekorde und Hintergründe rund um den alpinen Skisport und stützt sich dabei auf offizielle Quellen wie die FIS sowie aktuelle Wettkampfergebnisse.

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